Ernst Künzl

Ein Traum vom Imperium

Der Ludovisisarkophag – Grabmal eines Feldherrn Roms

Ein römischer Marmorsarkophag aus der Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. ist eines der glänzendsten
Kunstwerke der Antike. Meisterhaft beherrschte Bildhauerkunst manifestierte sich zu einer Zeit, als Rom, die Herrin der Welt im Altertum, am Rande des Abgrunds stand. Ein römischer Kaiser fiel im Kampf gegen die Goten. Ein anderer wurde von den Persern gefangengenommen - ein bis dahin unerhörter Vorgang. Zum ersten Mal seit der Varusschlacht musste Rom wieder Provinzen verlorengeben. Religionskonflikte, Inflation und Pestepidemien erschütterten das Imperium.


In dieser dunkelsten Zeit des Reiches entstand in Rom eines der glanzvollsten Kunstwerke des Altertums. Die Kampfszenen stellen den entrückt über das Schlachtfeld schwebenden Feldherrn als Sieger über die gesamte Welt dar; die Gegner sind als Orientalen und Germanen gekennzeichnet.
Das Grabmal eines jugendlichen Aristokraten führt den ewigen Traum von Rom als Herrin der Welt vor Augen. Dieses Kunstwerk gehört zu den expressivsten Werken römischer Reliefkunst. Der Eindruck,
den die Kampfszenen hinterlassen, ist für die Nachwelt auch deshalb so tief, weil wir wissen, dass sie angesichts der realen politischen Lage eine Traumwelt darstellten. Die hier als jammervolle Besiegte dargestellten Germanen übernahmen 200 Jahre später das römische Westreich. Dennoch lebte die Reichsidee über das Mittelalter bis in die Neuzeit weiter.

Ausführliche und reich bebilderte Darstellung eines der glanzvollsten Kunstwerke der Antike.


Autor: Ernst Künzl ist Archäologe und war bis 2004 Direktor der Abteilung Römerzeit am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz. Er ist seit Jahren als Autor archäologischer Sachbücher tätig.