34,90 EUR

Sprache:deutsch
Reihe:VDR - Beiträge zur Erhaltung von Kunst- und Kulturgut
Bandzählung:1 + 2 /VDR-1 + 2
Auflage: 1
Ausstattung: 50 s/w Illustrationen, 170 farb. Illustrationen, 1 Grundriss
Medium:Heft
Einbandart:Softcover (Broschur klebegebunden)
Seitenzahl:168
Format:21 x 29,7 cm
Gewicht:736 g
Lieferbarkeit:Vergriffen
Erscheinungstermin:07.09.2007
ISBN:978-3-7954-1841-0
Verlag:Schnell & Steiner

Herausgeber: Verband der Restauratoren e.V.

VDR-Beiträge zur Erhaltung von Kunst- und Kulturgut

Heft 1 + 2 / 2007 Doppelheft

Ausgabe 1-2 2007 der "Beiträge zur Erhaltung von Kunst- und Kulturgut" bietet ein breites Spektrum von aktuellen Restaurierungsprojekten bis hin zu innovativen Technologien. Die VDR-Beiträge thematisieren historische Raumensembles, Möbel, Tafelmalerei, Beleuchtungskonzepte, Leinenstickereien, Musikinstrumente, Keramik, archäologische Gläser, analytische Nachweismethoden und Fragen der präventiven Konservierung


Den Auftakt bildet die umfassende Darstellung der Wiederherstellung des Grünen Gewölbes im Dresdner Residenzschloss durch den leitenden Restaurator. Im Anschluss spannt sich der Bogen vom skulpturalen Schmuck zweier Kabinette von André-Charles Boule über eine Versuchsreihe zum Schließen von Rissen in Leinwandbildträgern, dem Beleuchtungskonzept einer Wiener Jugendstilkirche bis zu mittelalterlichen Leinenstickereien. Zwei weitere Abhandlungen beschäftigen sich mit dem Musikinstrumenten-Restaurator Friedrich Ernst. Es folgen Beiträge zur Problematik der Verwendung transparenter Klebebänder zur Fixierung von Scherben unglasierter Keramik, zur Entwicklung eines neuen Klebstoffes für archäologische Gläser und zu einer vereinfachten Nachweismethode von Bioziden in Holzschutzmitteln. "Neue Wege der Klimatisierung" werden in der Folge aufgezeigt. Miscellen zu Claude Monet und kuriosen Rahmen bilden mit dem aktuellen Rezensionsteil den Abschluss.
Hans-Christoph Walther

Die Wiederherstellung der Raumgruppe des Grünen Gewölbes im Dresdner Residenzschloss als restauratorische Aufgabe
Mit dem im September 2006 wiedereröffneten Grünen Gewölbe im Dresdner Residenzschloss ist eines der frühesten Museen im europäischen Raum nach reichlich 60 Jahren wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zurückgekehrt. Die Einheit von Architekturgestaltung und präsentiertem Sammlungsbestand zeichnet die Besonderheit dieses Anfang des 18. Jahrhunderts entstandenen und zum Ende des zweiten Weltkrieges stark zerstörten Ensembles aus. Für die Wiederherstellung der Innenarchitektur waren nicht zuletzt der Sachverstand und das Engagement von über 100 Restauratoren, Künstlern und Handwerkern maßgeblich. Eine kurze baugeschichtliche Betrachtung, gefolgt von der Vorstellung der methodischen Herangehensweise geht der raumweisen Darstellung der eigentlichen Arbeiten voraus.

Arlen Heginbotham

Herakles und Hippolyte neu interpretiert: Eine technologische Studie zweier Skulpturen eines bemerkenswerten Kabinetts von André-Charles Boulle
Dieser Text gibt die Ergebnisse einer Untersuchung zweier französischer Kabinette des späten 17. Jahrhunderts wieder: Das erste befindet sich im J. Paul Getty Museum, das andere im Drumlanring Castle in Schottland. Ziel der Untersuchung war das ursprüngliche Aussehen der skulptierten und gefassten Figuren, die die Vorderseiten der Kabinette stützen. Die Untersuchung erfolgte in drei Teilen: Zuerst wurden Materialproben von beiden Kabinetten zusammengetragen und analysiert, um so genau wie möglich die Materialien und Verfahren der ursprünglichen Oberflächenbehandlung zu bestimmen; zweitens wurden zahlreiche europäische Abhandlungen und Rezeptbücher vom 17. bis zum frühen 20. Jahrhundert hinsichtlich Bronzierungstechniken durchgesehen, um herauszufinden, ob die Analyseergebnisse mit den Angaben aus der Vergangenheit übereinstimmen. Schließlich wurden - mithilfe der Erkenntnisse über Materialien und Techniken aus den ersten beiden Teilen der Studie - Repliken und Simulationen des wahrscheinlich originalen Aussehens mit Dummies und digitaler Phototechnik hergestellt. Insgesamt lassen die Ergebnisse eine ursprüngliche bronzierte Oberfläche vermuten, die sich ganz deutlich von all dem unterscheidet, was zu Anfang der Studie denkbar schien. Die erzielte Oberfläche stimmt gut mit den historischen Quellen und mit der Ästhetik gut erhaltener Bronzeskulpturen des späten 17. Jahrhunderts überein.

Silke Beiner-Büth, Steffanie Beckmann

Faserbrei zur Schließung klaffender Risse. Ein Werkstattbericht
Klaffende Risse stellten in der Konservierung von Leinwandgemälden schon immer eine herausfordernde Problematik dar. Verschiedene Maßnahmen stehen dem Restaurator zur Verfügung, z.B. Zusammenziehen der Leinwand mittels unterschiedlicher Spannkonstruktionen und anschließender Rissverklebung oder Belassen der Fehlstellen und Einfügen von Leinwandintarsien. An dem vorliegenden Objekt wollten diese Varianten aufgrund der sehr geringen Belastbarkeit des Trägergewebes nicht gelingen. Innerhalb eines Praxissemesters
konnten erste Versuche hinsichtlich der Schließung klaffender Risse mit Faserbrei unternommen werden.

Martina Griesser-Stermscheg

Elektrisches Licht als Novität. Die Elektrifizierung einer Jugendstil-Kirche in Wien
Die Restaurierung der Donaufelder Kirche in Wien-Floridsdorf (1905-1914) gab Anlass, über die Rekonstruierbarkeit historischer Beleuchtungskonzepte in Kirchenräumen nachzudenken. Im Mittelpunkt stehen die elektrischen Hängeleuchter, die im historischen Mischlicht-Konzept neben der Gas- und Kerzenbeleuchtung die gestalterischen Höhepunkte in der Donaufelder Kirche darstellen. Die Bedeutungserhöhung der elektrischen Glühbirne als Symbol für den Glauben an Technik, Moderne und Fortschritt wird ebenso wie ihr Einzug in die Kunst um 1900 erläutert. Die Erfahrungen aus der restauratorischen Praxis bei der 2002-2005 erfolgten Rekonstruktion der elektrischen Beleuchtung werden kritisch reflektiert.

Christa-Maria Jeitner

Jede Nonne stickte auf ihre Weise. Überlegungen zu Merkmalen und deren Signifikanz in mittelalterlichen Leinenstickereien - insbesondere der Mark Brandenburg
Die drei monumentalen, um 1300 in der Mark Brandenburg entstandenen Leinenstickereien - das Brandenburger Hungertuch, die Zehdenicker Altardecke und das verschollene Hungertuch aus Kloster Heiligengrabe - stehen im Mittelpunkt meiner Untersuchung. Beleuchtet werden die Verfahrens- und Ausführungsweisen der Herstellung und deren Entwicklung. Gezeigt wird, dass die Klassifikation nach handwerklichen Merkmalen eine Scheidung von Händen erlaubt und zu Erkenntnissen über die Ausführenden und die Vorgehensweisen in der Werkstatt des jeweiligen Klosters führt. Unter der Fragestellung, ob die Verwendung von Inschriften in Stickereien in besonderer Weise mit dem klösterlichen Schaffen verbunden ist, werden schließlich die Überlegungen zur Entstehung von Entwürfen erneut angerissen.

Annette Otterstedt

Friedrich Ernst und seine Kartei. Ein Pionier der Restaurierung von Musikinstrumenten
Friedrich Ernst (1897-1976) war ein Pionier der Restaurierung von Musikinstrumenten an den Sammlungen der Museen in Leipzig und Berlin. Ausgebildet als Klavierbauer erkannte er die Wichtigkeit wissenschaftlichen Arbeitens in der Restaurierung. Im Staatlichen Institut für Musikforschung in Berlin befindet sich heute seine nachgelassene Kartei, die den breiten Ambitus seiner Interessen und seines vorausschauenden Wissens dokumentiert, darunter Probleme, die überhaupt erst in jüngster Zeit ins Bewusstsein gerückt sind. Es mutet tragisch an für ihn und die Zunft, dass dieser Pionier nicht besser erkannt und gefördert wurde, sondern dass man sich seiner Gedanken bediente, um damit das Gegenteil von dem zu unterstützen, was ihm vorschwebte: die Trennung von Restaurierung und Wissenschaft, was wir heute überwinden möchten.

Sabine Hoffmann

Friedrich Ernst und das Trasuntino-Cembalo. Eine Restaurierungsgeschichte
Dem Restaurator Friedrich Ernst (1897-1976) gebührt wegen seiner Sammlung von Informationen zu historischen Musikinstrumentenund der Dokumentation von Restaurierungsarbeiten während seiner Tätigkeit am Musikinstrumenten-Museum Berlin (1948-62) eine besondere Beachtung in seinem Fach. Am Beispiel des mehrfach überarbeiteten Trasuntino-Cembalo (Venedig, 1560, Kat.-Nr. 806), das Ernst 1955-57 restaurierte, wird gezeigt, wie er komplexe Aufgaben in der Restaurierung anging und inwieweit die Restaurierungsgeschichte dieses Instrumentes mit Unterstützung seiner Notizen rekonstruiert werden kann.

Eva Sulzer, Britta Schmutzler, Wibke Bernhard, Johanna Wolfram

Vom Provisorium zum Problem. Transparente Klebebänder auf unglasierter Keramik
Obwohl transparente Klebebänder in vielerlei Hinsicht keramischen Scherben schädigen können, werden sie häufig zur Fixierung von Fragmenten eingesetzt. Die Alterung der Klebebänder bewirkt beispielsweise die Migration der Haftmassen in den Scherben, der dadurch dunkler erscheint. Anhand der Restaurierung von römischen Keramikgefäßen mit empfindlichen Oberflächen am Landesmuseum Württemberg werden weitere Schadensbilder sowie Restaurierungsmöglichkeiten vorgestellt. Zur Entfernung gealterter Klebebänder von porösen Keramikscherben wurden Versuche zur Lösemittelauswahl sowie zu Applikationsmethoden, insbesondere zu Kompressensystemen, durchgeführt. Als Lösemittel eigneten sich Aceton, Ethanol und Shellsol T. Außerdem konnte durch Anwendung einer Kompresse aus Meerschaumpulver mit Aceton die Haftmasse auf den Scherben erfolgreich reduziert werden. Die Restaurierung zeigte, dass zur erfolgreichen Entfernung gealterter Haftmassenreste verschiedene Methoden des Lösemittelauftrags kombiniert werden sollten.

Ronald Simke

Die Entwicklung eines reaktiven Acrylatklebstoffes zur Klebung archäologischer Gläser
In der restauratorischen Praxis werden zur Klebung archäologischer Gläser bislang Acrylat- und Epoxidklebstoffe verwendet. Beide Klebstoffsysteme zeigen Vor- und Nachteile. Im Rahmen einer Diplomarbeit wurde der Versuch unternommen einen reaktiven Acrylatklebstoff zu entwickeln, welcher die Verarbeitungseigenschaften eines reaktiven Klebstoffes mit den außerordentlichen Alterungseigenschaften und der Reversibilität der Acrylate vereint. In dem Artikel werden zunächst die allgemeinen Anforderungen an einen Klebstoff für archäologische Gläser formuliert, dann Vor- und Nachteile der bislang gängigen Epoxid- und Arcylatklebstoffe diskutiert, um in der Folge die theoretischen Erwägungen und praktischen Versuche zur Entwicklung des Prototyps eines reaktiven Acrylatklebstoffes zu erläutern.

Elise Grosche

Dünnschichtchromatographischer Nachweis von Organochlor-Bioziden und synthetischen Pyrethroiden in Holz
Im Rahmen einer Diplomarbeit an der FH Köln wurde eine dünnschichtchromatographische Methode entwickelt, die eine Identifizierung der im Bereich von Kunst und Kulturgut am häufigsten verwendeten Holzschutzmittel-Wirkstoffe (Cl-N, DDT, ¿-HCH, PCP, Permethrin und Deltamethrin) ohne großen apparativen Aufwand erlaubt. Ausgehend von den erzielten Ergebnissen wurde für den Restaurator eine Kurzanleitung zum Nachweis der ausgewählten Wirkstoffe erarbeitet, die im folgenden Beitrag vorgestellt werden soll.

Birgit Geller

Archivbauten im Klimawandel. Erfahrungen mit der natürlichen freien Lüftung zur Klimaregulierung in Magazinräumen
Als kostengünstige und leicht zu realisierende Variante der Klimaregulierung setzt sich in Archivmagazinen vermehrt die natürliche freie Lüftung durch, kombiniert mit den Vorgaben des so genannten „Kölner Modells“. Dieses Modell macht sich die physikalische Trägheit eines massiven Baukörpers zunutze, um klimatische Veränderungen der Außenluft verzögert und in abgemilderter Form an den Innenraum weiterzugeben. Die Beeinflussung des Raumklimas geschieht durch kontrolliertes Lüften und Heizen. Die natürliche freie Lüftung bietet keine Möglichkeit, die von außen eindringende Luft zu konditionieren. Aus diesem Grund spiegelt das Klima im Magazin den jahreszeitlich bedingten Verlauf der Außenwerte wieder. Am Beispiel dreier westfälischer Archive werden die mit dem Klimatisierungsmodell gewonnenen Erfahrungen geschildert, ihre Vor- und Nachteile dargestellt und bewertet.

Birgit Tradler

Stroh zu Gold - eine Chinoiserie-Tapete des 18. Jahrhunderts aus dem Fasanenschlösschen Moritzburg
Das östlich vom Schloss Moritzburg gelegene Fasanenschlösschen zählt zu den wichtigsten erhaltenen Bauten des sächsischen Rokoko. Es wurde zwischen 1770 und 1772 von Johann Daniel Schade als erster und wichtigster höfischer Bau in Sachsen nach dem 7-jährigen Krieg erbaut. Teile der originalen Innenausstattung sind bis heute erhalten geblieben, darunter eine Federtapete, Papiertapeten und eine Holzintarsienarbeit. Im Toilettenzimmer des Kurfürsten Friedrich August (der III. - Enkel August des Starken) im Erdgeschoss findet man eine Wandauskleidung mit Stroh und Perlen. Es handelt sich um eine Stickerei- und Applikationstechnik auf Leinenuntergrund. Der Fond aus abwechselnd in Reihen aufgenähtem Stroh und Perlen wurde mit chinoisen Motiven verziert. Diese Ornamente und Figuren wurden in einer Fadenklebetechnik auf Papier gefertigt. Ein Vergleichsstück für die gesamte Tapete konnte bisher noch nicht gefunden werden, für die Fadenklebetechnik gibt es eine Parallele im Schloss Paretz bei Potsdam. Technik und Materialien der Tapete lassen auf eine europäische Arbeit schließen. Für die Restaurierung müssen die Tapetenteile gereinigt und die noch vorhandenen Reste des Strohs und der Perlen neu befestigt werden. Die desolaten Applikationsteile müssen restauriert und auf dem Fond befestigt werden. Die Rekonstruktion fehlender Teile ist nicht vorgesehen. Die großen Fehlstellen im Fond sind mit neuem, angepasstem Material zu ergänzen.

Anne Harmssen, Debra J. Carr

Claude Monets La Débâcle in Neuseeland. Ein Bild mit vielen Gesichtern
Die Dunedin Public Art Gallery in Dunedin, Neuseeland, besitzt ein Leinwandgemälde, welches Claude Monet zugeschrieben ist. Es trägt den Titel La Débâcle und wurde im Jahre 1880 gemalt. Seitdem es 1982 der Galerie gestiftet worden ist, bestand nie die Möglichkeit, das Gemälde näher zu untersuchen, da es fast ununterbrochen als eines der Hauptwerke der Galerie in der ständigen Ausstellung zu sehen war. Im April 2006 musste die ständige Schausammlung einer anderen Ausstellung weichen, und so ergab sich erstmalig die Möglichkeit, das Werk genauer zu betrachten. Dieser Beitrag beschreibt die überraschenden Entdeckungen innerhalb des Bildschichtgefüges, erörtert die Fragen, die sich dadurch gestellt haben und versucht hier und da eine vorsichtige Deutung. Die Untersuchung gilt zu diesem Zeitpunkt noch nicht als abgeschlossen. Die Intention der Autorinnen ist, durch die Veröffentlichung dieser vorläufigen Ergebnisse die Diskussion um die Echtheit des Gemäldes weiterzutragen und den Anstoß zu weiteren Expertisen zu geben, die vielleicht ein abschließendes Urteil erlauben.

Stefan Drescher

Der problematische Umgang mit lichthärtenden Dentalmassen in der Porzellanrestaurierung
Nach einer allgemeinen Analyse des Werkstoffsystems lichthärtender Komposite auf der Grundlage ausgewählter Literatur und eigener Untersuchungen weist der Autor nach, dass Produkte dieser Werkstoffgruppe für eine museumsgerechte Restaurierung nicht geeignet erscheinen. Die durch den Hersteller publizierten Daten zu „Restaurit“ werden im Überblick dargestellt. Bei „Restaurit“ handelt es sich um ein farbmodifiziertes, lichthärtendes Dental-Komposit, welches zur Ergänzung von Fehlstellen an Porzellan eingesetzt werden soll. Mit seiner unzulänglichen Reversibilität, seiner unakzeptablen Polymerisationsschrumpfung und unzureichenden Alterungsbeständigkeit wird dieses Material nicht den Anforderungen des Standeskodex als Teil der E.C.C.O.-Berufsrichtlinien für Restauratoren gerecht.


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