39,90 EUR

Sprache:deutsch
Auflage:1
Ausstattung:1 Grundriss , 168 s/w Illustrationen
Medium:Buch
Einbandart:Hardcover (fadengeh. Pappband)
Seitenzahl:320
Format:22 x 27 cm
Gewicht:1387 g
Lieferbarkeit:Lieferbar
Erscheinungstermin:25.10.2005
ISBN:978-3-7954-1728-4
Verlag:Schnell & Steiner

Golo Maurer

Preußen am Tarpejischen Felsen - Chronik eines absehbaren Sturzes

Die Geschichte des Deutschen Kapitols in Rom 1817-1918

Vor genau 90 Jahren verließ nach dem Kriegseintritt Italiens der letzte deutsche Botschafter seinen Amtssitz auf dem Kapitol. Keiner seiner Nachfolger sollte dorthin zurückkehren. Der hoch über der Stadt gelegene Palazzo Caffarelli, von Preußen 1854 erworben, wurde kurz nach Kriegsende enteignet. Damit endete die fast 100-jährige kulturelle und politische Präsenz Preußens und Deutschlands auf dem Kapitol, die trotz ihrer Bedeutung heute fast in Vergessenheit geraten ist.


Die Geschichte des "Deutschen Kapitols" beginnt 1817 mit dem Entschluss des preußischen Botschaftssekretärs Bunsen, im verwahrlosten Palazzo Caffarelli auf dem Kapitol eine Wohnung zu mieten - zunächst der schönen Aussicht wegen. Die historische Bedeutung des Ortes blieb indes nicht ohne Wirkung: Hier, auf dem "heiligen Hügel" des antiken Rom, stand der Tempel des Jupiter Stator, hier endeten die Triumphzüge siegreicher Feldherren - aber auch glanzvolle Karrieren. Denn vom Staatsheiligtum zum Tarpejischen Felsen, wo echte oder vermeintliche Verräter in den Tod gestürzt wurden, waren es bekanntlich nur ein paar Schritte.

Das alte Sprichwort behielt seine Gültigkeit auch für Preußen und das Reich. Der Aufstieg zur Großmacht spiegelt sich auf dem Kapitol ebenso wie der aus nationaler Hybris geborene Sturz. Dass man mit dem Palazzo Caffarelli nicht nur die Fundamente des Jupitertempels, sondern auch den Tarpejischen Felsen erworben hatte, ist symbolischer Ausdruck der absehbaren historischen Entwicklung, hatte doch auch das "erwachende" Italien im Kapitolshügel sein nationales Symbol gefunden. Der von Kaiser Wilhelm II. dort eingerichtete Thronsaal, das von Bunsen gegründete Deutsche Archäologische Institut, das protestantische Hospiz und die protestantische Kapelle wurden vor diesem Hintergrund als ein Sakrileg empfunden.

Das Buch fasst Einzeluntersuchungen der Fachliteratur zusammen und entwirft ein kulturgeschichtliches Gesamtbild.