29,90 EUR

Sprache:deutsch
Auflage: 1
Ausstattung: 42 s/w Illustrationen, 93 farb. Illustrationen
Medium:Buch
Einbandart:Hardcover (fadengeh. Pappband)
Seitenzahl:128
Format:22,5 x 30,5 cm
Gewicht:1070 g
Lieferbarkeit:Lieferbar
Erscheinungstermin:14.10.2005
ISBN:978-3-7954-1773-4
Verlag:Schnell & Steiner

Michael Groblewski, Hans-Jürgen Kotzur

Die Ludwigskirche in Darmstadt

Von der Pantheonidee zur Kirche am Berg

Mit der Fertigstellung der neuen Innenraumgestaltung 2005 ist der Wiederaufbau der Kirche St. Ludwig in Darmstadt nach der Zerstörung in der Brandnacht vom 11. auf den 12. September 1944 vollendet. Die neuen Farbfassungen des Außenbaus und des Innenraums geben dem neoklassizistischen Zentralbau Georg Mollers nicht nur ein anderes Erscheinungsbild, sie reflektieren auch das geschichtlich gewachsene Monument in der Stadt.


Von Anfang an war die gewaltige Rotunde mit ihrer Kuppel auf der Anhöhe am südlichen Rand der Innenstadt ein weithin sichtbares Wahrzeichen. Als Großherzog Ludewig I. und sein Architekt Georg Moller sie als erste katholische Kirche Hessens seit der Reformation im Zusammenhang des Ausbaus Darmstadts von der landgräflichen Residenz zur neuen Landeshauptstadt planten, folgten sie dabei politischen und formalen Grundideen der Aufklärung, die zuerst in Berlin in Gestalt der Hedwigskirche in Berlin realisiert worden waren. Parallel dazu entwickelte sich im europäischen Klassizismus eine weit über das typologische Exemplum des antiken römischen Bauwerks hinausreichende Pantheonidee, deren völlig eigenständige Interpretation in St. Ludwig zu einer idealen klassizistischen Gestalt fand.

Auf diese Weise vielmehr Denkmalskirche als Pfarrkirche bedurfte es eines längeren historischen Prozesses bis sich die katholische Gemeinde mit der Ludwigskirche identifizierte. Die Entscheidung zum Wiederaufbau in historischer Form war ein erstes deutliches Zeichen dieser Akzeptanz, die heutige farbige Fassung und die neue Gestaltung des liturgischen Raumes mehr als nur die notwendige Anpassung an die Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils. Vielmehr strahlt sie Souveränität und Offenheit im Glauben und im Umgang mit der Geschichte aus, was in der begrifflichen Fassung eines Selbstverständnisses als "Offene Kirche" oder "Kirche am Berg" zum Ausdruck kommt.