86,00 EUR

Sprache:deutsch
Reihe:Jesuitica
Bandzählung:5 /JES-5
Auflage: 1
Ausstattung: 34 s/w Illustrationen, 4 farb. Illustrationen
Medium:Buch
Einbandart:Hardcover (Leinen fadengeh. m. Schutzumschlag)
Seitenzahl:852
Format:17 x 24 cm
Gewicht:2192 g
Lieferbarkeit:Lieferbar
Erscheinungstermin:28.03.2003
ISBN:978-3-7954-1530-3
Verlag:Schnell & Steiner

Ulrich Schlegelmilch

Descriptio Templi

Architektur und Fest in der lateinischen Dichtung des konfessionellen Zeitalters

Zur Einweihung neuer Kirchen erschienen in den Jahren um 1600 zahlreiche lateinische Festdichtungen, die humanistische Kunstbeschreibung und theologische Deutung verbinden. Acht Festgedichte werden hier erstmals kritisch ediert und als poetische Gattung "Descriptio templi" historisch und philologisch kommentiert.


Die Einweihung einer neuen Kirche war im konfessionellen Zeitalter ein Ereignis mit reichem publizistischen Echo: Prosatraktate, Dramen und andere Dichtungen verbreiteten den Ruhm des Landesherrn, seiner Kirche und nicht zuletzt seines Gelehrtenstandes, dem die Verfasser der Texte angehörten.

Eine eigene literarische Gattung lateinischer Festdichtung entsteht um 1600: Ekphraseis, die das neue Sakralgebäude interpretierend beschreiben. Da die gelehrten Verfasser selbst Theologen sind oder der Kirche nahe stehen, treten in der Descriptio templi zwei Gesichtspunkte besonders hervor: Die Schilderung des Bauwerks und seiner Kunstwerke macht in reichem Maße von Kunstbeschreibungen in antiker Dichtung kreativen Gebrauch. Die Ausdeutung des spirituellen Gehaltes der neuen heiligen Stätte eröffnet Gestaltungsmöglichkeiten, die von der panegyrischen Überhöhung des Landesfürsten als Tempelgründer in der Nachfolge Salomos bis zur verinnerlichten Betrachtung von Passionsbildern nach den Methoden der jesuitischen Exerzitien reichen.

Die Untersuchung berücksichtigt neben der philologischen Kommentierung auch archivalische Quellen, die die Ereignisse aus zeitgenössischem Blickwinkel zeigen und damit hinter die bisweilen hoch aufragenden Kulissen der Panegyrik blicken lassen. Ergänzt wird die detaillierte Analyse von acht Gedichten durch eine systematische Studie der Entstehungsbedingungen für Festgedichte seit der Antike.

Als Quellentexte zur frühen Neuzeit bieten sie Historikern, Theologen und Kunsthistorikern reiche, teilweise bisher unbekannte Informationen zu oftmals verlorenen Bauten der Spätrenaissance und des frühen Barock. Im Mittelpunkt stehen: Würzburg, Universitätskirche; München, St. Michael; Gügel bei Scheßlitz/Ofr., Pankratiuskapelle; Molsheim/Elsass, ehem. Jesuitenkirche; Mainz, Jesuitenkirche; Speyer, Ölberg; Porrentruy/Schweiz, Jesuitenkirche; Ulm, ehem. Dreifaltigkeitskirche; Regensburg, Dreieinigkeitskirche.


Der Autor ist seit 2001 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Klassische Philologie der Universität Würzburg.