49,95 EUR

Sprache:deutsch
Auflage:1
Ausstattung:200 s/w Illustrationen, 51 farb. Illustrationen
Medium:Buch
Einbandart:Hardcover (Leinen fadengeh. m. Schutzumschlag)
Seitenzahl:384
Format:22 x 29 cm
Gewicht:1773 g
Lieferbarkeit:Lieferbar
Erscheinungstermin:05.10.1998
ISBN:978-3-7954-1146-6
Verlag:Schnell & Steiner

Henry Keazor

Poussins Parerga

Quellen, Entwicklung und Bedeutung der Kleinkompositionen in den Gemälden Poussins

Die hier vorgelegte Studie befasst sich mit den Objektarrangements in den Gemälden des französischen Barockmalers Nicolas Poussin (1594-1665). Zu ihrer Bezeichnung wird ein Begriff vorgeschlagen, den der Künstler in einem seiner Briefe selbst verwendet hat, der "Parergon" (griech.: Beiwerk). Die systematische Untersuchung dieser bisher von der Forschung vernachlässigten Parerga führt quer durch das gesamte Oeuvre Poussins hindurch und liefert eine Fülle neuer Erkenntnisse zu allen Aspekten der Kunst eines der größten Maler des 17. Jahrhunderts. Da zugleich eine umfassende Illustration der besprochenen Werke angestrebt wurde, liegt hier nach längerer Zeit wieder eine reichhaltig ausgestattete Monographie zu Nicolas Poussin vor.


Objektarrangements sind sowohl in den Historienbildern als auch den religiösen Gemälden dieses französischen Barockmalers zu beobachten. Ihnen wurde zwar von Seiten der Forschung immer wieder Aufmerksamkeit geschenkt, eine systematisch angelegte Untersuchung erfuhren sie bisher allerdings noch nicht. Da diese Kleinbildkompositionen mit Begriffen wie "natures mortes" oder "Stilleben" nicht adäquat bezeichnet sind, wird die Anwendung eines Terminus vorgeschlagen, den Poussin in einem seiner Briefe selbst verwendet: der des "Parergon". Um der Gefahr zu begegnen, wahl- und unterschiedslos alle im Bildraum verteilten Gegenstände einer gleichermaßen konsequenten Untersuchung zu unterziehen, um also bloße Bilddetails von absichtsvoll zu "Parerga" komponierten Dingen abgrenzen zu können, entwickelt Keazor zunächst klare Auswahl- und Definitionskriterien.

Die folgenden Kapitel zeigen sodann auf, wie unerwartet fruchtbar und perspektivenreich eine Beschäftigung mit Poussins Parerga gerät: So weist ihre Analyse zum Beispiel auf viele bislang übersehene literarische und bildliche Quellen sowie auf Poussins Umgang mit diesen Vorlagen hin. Ihre bewusste und sorgfältige Auswahl zeigt, wie wichtig dem Künstler diese Kleinbildkompositionen gewesen sein müssen. Darüber hinaus können die Parerga und ihre Quellen sogar dazu dienen, wichtige Argumente zur Klärung strittiger Authentizitätsfragen zu liefern. Die Untersuchung der Parerga hilft ferner, die Entstehungsabfolge einzelner Vorzeichnungen neu zu definieren sowie Poussins Kompositionstechnik zu studieren. Auch treten bisher unentdeckte Rezeptionszusammenhänge zwischen Poussins Schöpfungen und den Werken seiner Nachfolger zutage. Deren zum Teil sehr konkrete Poussin-Zitate erbringen den Beleg, dass es sich bei der hier unternommenen Fragestellung nicht um eine moderne - also nachträglich in die Bilder Poussins hineingesehene - Komponente handelt, sondern um ein Phänomen, das auch schon von den Zeitgenossen wahrgenommen und reflektiert wurde.

Der in der vorgelegten Studie behandelte Fragenkomplex führt einmal quer durch den vollen Umfang des Poussinschen Oeuvres hindurch, untersucht also repräsentative Werke aus allen Schaffensphasen des Meisters. Diese Gelegenheit wird genutzt, um die ganze damit verbundene Vielfalt der Aspekte und Forschungsmeinungen zu diskutieren. Die Perspektive des Buches erweitert sich folglich und strebt bei der Besprechung der einzelnen Gemälde und ihrer aktuellen Forschungslage monographische Dichte an.

Die Fülle und Tragweite der aus der Untersuchung von Poussins Parerga gewonnenen neuen Erkenntnisse bestätigen nur den Ausspruch des Künstlers, der seinen Aufstieg zu einem der führenden Maler des 17. Jahrhunderts mit dem lapidaren Satz erklärte: "Ich habe nichts außer acht gelassen."