49,90 EUR

Sprache:deutsch
Auflage:1
Ausstattung:177 farb. Illustrationen, 137 s/w Illustrationen
Medium:Buch
Einbandart:Softcover (Broschur fadengeheftet)
Seitenzahl:332
Format:21 x 30 cm
Gewicht:1459 g
Lieferbarkeit:Vergriffen
Erscheinungstermin:01.01.1998
ISBN:978-3-7954-1172-5
Verlag:Schnell & Steiner

Herausgeber: Ingo Sandner

Unsichtbare Meisterzeichnungen auf dem Malgrund

Cranach und seine Zeitgenossen

Unsichtbares sichtbar zu machen, ist ein ewiger Wunschtraum. Keiner der Maler, deren Bildwerke wir noch immer bewundern dürfen, hätte sich je träumen lassen, dass wir ihre zeichnerischen Entwürfe der Kompositionen auf den Malgründen, die seit 500 Jahren durch Farbschichten überdeckt sind, wieder sichtbar machen können. Erst die "Infrarot-Reflektographie", ein in den letzten Jahrzehnten als Forschungsfeld neu erschlossenes Gebiet, liefert heute Informationen zur Entstehungsgeschichte der Gemälde aus einer Bildschicht, die nur über den Weg der Nutzung von Vidiconkameras oder CCD-Kameras mit speziellen Filtern erschlossen werden kann.


Die Maler des 15. Und 16. Jahrhunderts haben den zeichnerischen Entwurf nicht als autonome Handzeichnung verstanden, sondern darin in erster Linie ein Hilfsmittel für die Ausführung der nachfolgenden Malerei gesehen. Inzwischen wurde aber anhand zahlreicher Untersuchungen festgestellt, dass viele der Meister des ausgehenden Mittelalters der Unterzeichnung ein solches Maß an Aufmerksamkeit schenkten, dass über helfende Linien und grobe Umrisszeichnungen hinaus minutiöse zeichnerische Vorbereitungsschritte entdeckt werden konnten. Sie lehren uns heute die Vielfalt zeichnerischen Könnens neu begreifen: Dem unmittelbaren Temperament und den stilistischen Besonderheiten eines Künstlers kommt man somit oft näher, als es die mit Gehilfenanteil ausgeführte Malerei offenbart. Neben der Unterzeichnung lassen sich oft auch Veränderungen der Form im Malprozess und Retuschen gut sichtbar machen.

Gerade dann, wenn Gehilfenanteil allgegenwärtig ist, wie in Cranachs Werkstatt, finden sich Ansatzpunkte für die Beurteilung der Mitwirkung des Meisters, wenn die Unterzeichnung in die Bewertung und in die Überlegungen einbezogen wird.

Neben dem wissenschaftlichen Nutzen wird somit auch ein sonst verborgener Schatz an Handzeichnungen der einstigen Maler wieder erlebbar gemacht. Auch wenn diese Zeichnungen nie als sichtbar gedacht waren, haben sie Reiz und eine oft erstaunliche Qualität. ihren ganz eigenen


"Gut möglich, dass zur späten Fama der vergessenen Maler nun das gewichtige Forschungskompendium beiträgt, mit dem die Wartburgstiftung die Ausstellung vertieft." Frankfurter Allgemeine Zeitung